Die Macht der Trends – News aus dem Silicon Valley

Was kommt 2017 als Nächstes? Wie erkennt man wichtige Trends? Oder stellen wir doch die falschen Fragen? Wie lernt man eigentlich, richtungsweisende Veränderungen richtig einzuschätzen?
Wer könnte mir all diese Fragen besser beantworten als Mario Herger, Autor des Buches „Das Silicon Valley-Mindset“ und mein Sprachrohr in das Silicon Valley.

Die ewig junge Frage nach dem nächsten Trend. „Was kommt als Nächstes? Das ist doch nur ein Hype! Wer den Trend als Trend erkennt, hat ihn bereits verpennt! Zu früh. Zu früh. Zu spät!“

Atari, Kodak, Nokia, Polaroid, Zenith. Die Liste an Unternehmen, die am Zenit ihres Erfolges standen und heute oft nur mehr als Lehrbeispiel für Firmen stehen, welche die Zeichen der Zeit nicht erkannten und untergingen, ist lang. Von den ursprünglich im Dow Jones Aktienindex gelisteten Unternehmen existiert heute nur mehr eines. Und wir müssen gar nicht so weit schauen. Auch in Österreich erinnern sich manche noch an Eumig, Länderbank oder Zentralsparkasse.

Sie alle verbindet, dass sie Trends entweder nicht erkannten und auf ihren alten Produkten, Dienstleistungen oder Geschäftsmodellen beharrten, bis sie niemand mehr wollte, oder dass sie die Zeichen zwar erkannten, aber nicht oder zu spät reagierten.
Die Frage, was denn der nächste Trend sei, der das eigene Geschäft beeinflussen wird, bleibt somit ewig jung. Geändert hat sich nur die Geschwindigkeit, mit der Trends auf uns zu kommen. Brauchte das Telefon noch 75 Jahre, bis es 100 Millionen Kunden hatte, waren es beim Handy nur mehr 16 Jahre. Facebook hatte innerhalb von viereinhalb Jahren 100 Millionen Benutzer erreicht. Pokémon GO schaffte selbiges in knapp zwei Wochen.

Die Macht der Trends. Manager stellen sich immer bewusster die Frage, was kommt als Nächstes? Dabei schauen sie gerne ins Silicon Valley, das die moderne Innovationskapitale der Welt ist. So viele von dort kommende Trends überschwemmen uns, dass uns keine Zeit zum Verschnaufen bleibt. Und sie bedrohen ganze Industrien. Uber bedroht die Taxibranche. Hotels und Ferienpensionen sahen Airbnb nicht kommen. Die Medien wurden vom Internet und von den Sozialen Medien überrascht. Fake News, die über Facebook und Twitter verbreitet werden, beeinflussen das politische Leben. Kickstarter und Indiegogo erzwingen die Anpassung von heimischen Börsengesetzen. Digitale Technologien ermöglichen zivilen Ungehorsam, aber auch demokratische Teilhabe. Elektrische und fahrerlose Fahrzeuge aus dem Silicon Valley bedrohen die heimische Automobilindustrie. Niemand bleibt verschont.

Einige der Trends werden sogar als exponentiell bezeichnet. Sie haben das Potenzial, eine Milliarde Menschen zu erreichen und deren Leben zu verändern. Zu diesen gehören unter anderem künstliche Intelligenz, Roboter, 3D-Druck, sowie virtuelle und Augmented Reality. Deren Eigenheit ist nicht nur ihre Reichweite, sondern auch die

Geschwindigkeit, mit der sie kommen werden. Sie durchdringen dabei alle Sparten. Künstliche Intelligenz und Robotics ersetzen Autofahrer und bringen uns fahrerlose Fahrzeuge. Das wird bereits in wenigen Jahren Wirklichkeit sein.

Beachte die Signale. Viele kämpfen mit dem Erkennen von Trends, deren Bedeutung für die eigene Industrie, und wie man am besten darauf reagiert. Keiner will sein Unternehmen als das nächste Kodak in die Lehrbücher eingehen sehen. Auch auf individueller Ebene will niemand sich plötzlich im Besitz von Fähigkeiten sehen, die eine Maschine besser, schneller und billiger erledigen könnte.

Dabei werden Trends durch Signale angekündigt. Ein Signal ist in diesem Zusammenhang ein singuläres Ereignis. Meistens erkennt man es selbst in der eigenen Industrie. Ein Arzt liest von IBM Watson, dem KI-System, das einer Klinik in New York eingesetzt wird um Krebs zu diagnostizieren. Dieses Einzelsignal mag nicht bedrohlich klingen, weil es eben eine Einzelerscheinung ist. Sobald der Arzt aber in andere Branchen einsieht, werden ihm weitere Signale bewusst. Googles AlphaGo-Computer besiegt den Go-Weltmeister. Ein KI-System in einem großen Onlinerollenspiel läuft Amok und tötet alle Spielercharaktere. Selbstfahrende Autos lernen durch Maschinenlernen und fahren heute schon besser als Menschen. Apple setzt KI für den iPhone-Assistenten Siri ein, Amazon ein KI-System für den Amazon Echo. Ein US- Kampfpilot verliert in einem simulierten Luftkampf gegen einen Kampfjet, der von einem KI-System gesteuert wird. Und das mit Bomben und Granaten. Große US- Investmentfirmen haben nur mehr KI-Systeme, um an der Börse zu handeln. Und ein japanischer Versicherer hat 30 Leute auf die Straße gesetzt, weil deren Job nun von nur einer einzigen Maschine erledigt wird.

Aus einem Einzelsignal in einer Industrie wird ein industrieübergreifender Trend sichtbar. Eine Technologie findet ein Anwendungsgebiet in vielen Branchen. Betrachtet ein Experte nur die eigene Industrie, dann wird er den Trend verpassen. Wenn er ihn schließlich erkennt, dann bleibt nur mehr Zeit zu reagieren, aber nicht um ihn voranzutreiben und zu beeinflussen.

Wir sollten uns nicht fragen „Was ist der nächste Trend?“, sondern uns vielmehr aktiv auf die Suche nach industrieübergreifenden Signalen begeben und herausfinden, welche davon die Menschheit am meisten beeinflussen könnten. Nicht mit der Frage „Was sind die heißesten Trends im Silicon Valley?“ sollten wir Zeit verlieren, sondern, wie wir eine gewisse Art der Denkweise in unseren Organisationen einführen können. Wir werden alle Design Thinking-Coaches, jetzt ist es Zeit Foresight Thinking einzuführen.

All die Signal- und Trenderkennung hilft aber nichts, wenn wir aus den Foresights nichts machen. Sei es, weil wir nicht daran glauben („Das kommt nie!“), oder weil unsere Firmenstrukturen die Anpassung nicht erlauben („Das haben wir immer schon so gemacht.“). Aber jeder Weg vom Alten zum Neuen beginnt bekanntlich mit dem ersten Schritt.